Wir sind keine Rassisten, aber….

Am 16.01.2012 wurde in Dessau ein 29-jähriger Mann mit einem Messer schwer verletzt. Die Mitteldeutsche Zeitung steht im direkten Kontakt mit der Freundin des Verletzten und Jessica bringt gute Nachrichten aus dem Krankenhaus: Ihr Freund ist ansprechbar und bereits wieder zu Scherzen aufgelegt. Unter tosendem Applaus teilt sie ihre Erleichterung den vor dem Polizeirevier Dessau-Rosslau wartenden 400 -500 DemonstrantInnen mit. Wir MZ-Leser fühlen mit der besorgten Jessica, all die Sorge um ihren lustigen Freund, der sich couragiert in einen Streit einmischte und verletzt wurde und wir lesen die Erleichterung aus den Zeilen.

Über den vermeintlichen Täter erfahren wir eigentlich nicht viel. Er ist ein „Asylbewerber aus dem Senegal“ und „Schwarzafrikaner“ . Die polizeilichen Ermittlungen lassen vermuten, dass er möglicherweise „psychische Probleme habe“. Ob er eine fürsorgliche Freundin hat, wissen wir nicht. Aber er soll vor wenigen Tagen die Scheibe eines Fahrzeugs unmotiviert zerstört haben. Weiter heißt es: „Es könnten aber auch mehrere derartige Straftaten gewesen sein, die ihm an einem Tag gleich mehrere Strafanzeigen eingebracht haben sollen. Polizei und Staatsanwaltschaft wollten das am Montag weder bestätigen noch dementieren.“ Darüber hinaus sei noch offen, ob der „Schwarzafrikaner“ zur Tatzeit unter Drogen oder Alkohol gestanden habe, erklärte Oberstaatsanwalt Christian Preissner auf MZ-Nachfrage.

Die MZ versteht es mehr oder weniger subtil, die Sympathien zu lenken. Wir fühlen uns dem jungen, couragierten André, Jugendtrainer eines Sportvereins, und seiner lieben freundin Jessica näher, als dem kriminellen und mutmaßlich psychisch gestörten anonymen „Schwarzafrikaner“. Die Herkunft, bzw. Hautfarbe des mutmaßlichen Täters wird im MZ-Artikel sogar mehrfach betont. Zu welchem Zeck bleibt vorerst unklar. Ein Bezug auf die „afrikanische Herkunft“ des vermeintlichen Täters findet sich aber auch in der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost. Allerdings sei – lt. MZ vom 16.01.2012 –nicht vollends klar, was sich Montagmittag auf dem Platz gegenüber dem alten Magnet-Kaufhaus wirklich abgespielt hat, sagt Ralf Moritz von der Pressestelle der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost. Die Ermittlungen laufen noch. Das Wichtigste jedoch: Andrè Schubert wird es überstehen, es geht ihm den Umständen entsprechend gut.

André Schubert ist aber nicht nur ein netter Mann von nebenan mit noch viel netterer Freundin, sondern auch der Jugendleiter beim ASG-Vorwärts Dessau. In einem „hier ab vier“ Bericht des MDR vom 25.10.2010 wird über den ASG Vorwärts Dessau unter dem Stichwort „Neonazis in Fußballvereinen“ berichtet. Im Fokus der Aufmerksamkeit stehen dabei Dennis L., ein verurteilter Gewalttäter, und Robert Z., ehemaliger Jugendleiter beim ASG Vorwärts Dessau. Vereinskameraden von André. Dennis L. spielt heute noch beim ASG Vorwärts Dessau, in der 2. Mannschaft. Er hat in der Saison 2011/2012 bereits 13 Spiele absolviert und 6 Tore geschossen. Dennis L. isst gern Pizza, sein sportliches Vorbild ist Ricardo, seine Lieblingsvereine sind der FC Schalke 04 und der ASG Vorwärts Dessau. Der Schalkefan ist seit Juli 2006 im Verein Mitgleid und er ist Neonazi. Im MDR-Bericht ist er in seinem Mannschaftstrikot auf einem Bahnsteig inmitten seiner braunen Kameraden zu sehen. Er hält dabei beide Mittelfinger senkrecht in die Kamera.

Aber wie bereits erwähnt: Bitte keine vorschnellen Urteile, die Ermittlungen zum Tathergang laufen noch.

Zur angemeldeten Kundgebung am Abend des 16.01.2012 finden sich dennoch 400-500 DemonstrantInnen in Dessau ein und ziehen ausländerfeindliche Parolen brüllend zum Polizeirevier. Das Nazinetzwerk Freies Netz hat nach dem Messerstich eines „kriminellen Ausländer“ in den Hals des Jugendleiters des ASG Vorwärts Dessau zur „Solidarität“ mit dem „couragierten Deutschen“ aufgerufen und viel zu viele Dessauer folgen unkritisch.

Die Mageburger Volksstimme berichtet in der heutigen Ausgabe über den „friedlichen Aufzug in Dessau“, an dem 400- 500 Menschen teilgenommen haben. Die Mobilisierung durch das rechtsmilitante Netzwerk wie auch das Rufen rechter Parolen während der Demonstration bleiben dabei unerwähnt. Herzerwärmend heißt es: „Insbesondere Kinder und Jugendliche hatten sich zuvor über Facebook zu der Demonstration verabredet.“

Das ist natürlich nicht gelogen, die Neonazis verabredeten sich über twitter.

Kurzmitschnitt zur gestrigen Demo

gefunden bei: aarmd


1 Antwort auf „Wir sind keine Rassisten, aber….“


  1. 1 starblog Trackback am 20. Januar 2012 um 9:19 Uhr

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