Archiv der Kategorie 'Regional'

26.06.2014, Zeitzeugengespräch mit Simon Malkes

1927 in Wilna geboren, wurde Simon Malkes im Alter von 14 Jahren mit seinen Eltern in das Wilnaer Ghetto gesperrt. Für die meisten Ghettoinsassen endete das Leben in der nahegelegenen Massenerschießungsstätte Ponar. Dank des deutschen Majors Karl Plagge, der mehreren hundert Juden das Leben rettete, überlebte die Familie den Holocaust. Gemeinsam mit anderen Geretteten sorgte der in Paris lebende Simon Malkes dafür, dass Karl Plagge 2005 als „Gerechter unter den Völkern“ anerkannt wurde.

26.06.2014 | 19:00 | Alternatives Jugendzentrum, Schlachthofstr. 25 | Zeitzeugengespräch mit Simon Malkes | Dessau

Um Anmeldung bis 24.06.2014 wird gebeten !

Kontakt: AJZ e.V./ Jana Müller/ 0340-2660219/ ajz-dessau@gmail.com

Gedenken an die Opfer des Faschismus am Tag der Befreiung

Am 08.05.2014 jährte sich die Befreiung vom Hitlerfaschismus zum 69. mal.
Wie in jedem Jahr gedachten wir den Opfern und den Widerstandskämpfern im Nationalsozialismus mit der Begleitung einer Gedenkrede am Mahnmal der Opfer des Faschismus, wo Frank Hoffmann (MdL, die Linke), eine Rede hielt, in welcher die Notwendigkeit des Gedenkens in Anbetracht eines erstärkenden nationalistischen und rassistischen Gedankenguts, auch innerhalb der gesellschaftlichen Mitte, deutlich machte.
Dabei ging er auch auf die aktuelle Lage in der Ukraine ein,wo sich innerhalb kürzester Zeit eine Regierung aus Nationalisten und Faschisten etablieren konnte,welche zunehmend Druck auf russische Minderheiten innerhalb der Ukraine ausübt.
Die „Krise“ in der Ukraine zeigt deutlich, dass faschistische Strukturen durchaus in der Lage sind, von heute auf morgen eine ganze Regierung unter Druck zu setzen und dann selbige abzuschaffen.
Aus diesem Grund legten wir am Ende der Veranstaltung Blumen und Kränze zur Erinnerung an die Verbrechen des NS-Regimes und ihrer Opfer nieder. Aber auch als Mahnung daran, welche Folgen nationalistische und rassistische Ideologien mit sich bringen.

Im Anschluss gingen wir gemeinsam zum inoffiziellen Ehrenfriedhof (Friedhof III) der Stadt Dessau-Roßlau, wo wir die Gräber der getöteten Zwangsarbeiter_innen und deren Kinder mit Blumen und Blüten schmückten.
Am nahe gelegenen Gräberfeld von Widerstandskämpfern und Verfolgten des Nationalsozialismus, erzählte uns ein älterer Herr spontan einiges über die Geschichte einzelner dort Begrabener und ließ Geschichte lebendig werden.
Wir bedanken uns herzlich bei diesem Herrn der uns nochmals verdeutlicht hat, wie wichtig es ist, mit Zeitzeugen und Überlebenden ins Gespräch zu kommen und die Erinnerung wach zu halten.
Fast 70 Jahre nach der Befreiung gibt es es immer weniger Zeitzeugen,welche uns die Geschichte aus eigenen Erfahrungen wiedergeben können. Um so wichtiger ist es, dass wir diese Erinnerungskultur aufrecht erhalten und an andere weitergeben.

Im Jahr 2015 jährt sich die Befreiung vom Hitlerfaschismus zum 70. mal, auch dann werden wir wieder Gedenken, ein Zeichen gegen Rassismus und Faschismus setzen und zeigen, wie wichtig antifaschistischer Widerstand weiterhin ist.

Wir möchten dann zu einem antifaschistischen Stadtspaziergang durch Dessau einladen und die Geschichte begehbar machen.Wer sich einbringen möchte und Kontakt zu uns sucht, kann sich unter folgender Adresse melden

dessau-nazifrei@​riseup.​net

Chronik Dessauer Verhältnisse

Der folgende Text ist eine Chronik der Dessauer Verhältnissse seit 1989.

Am 17.09.1989 belagern hunderte „Fussballfans“ ein Wohnheim für Vertragsarbeiter aus Angola. Unter Parolen wie „Neger raus!“ fliegen Steine. Die Polizei sperrt die Straße vor dem Wohnheim „wegen Fußballspiel SG 89 – Chemie Leipzig“. SG 89 war der damalige Name des späteren „FC Anhalt Dessau“, als dessen Nachfolgeverein die „ASG Vorwärts Dessau“ sich sieht.
Am 02.03.1991 wird ein Brandanschlag auf ein Aussiedlerheim in Dessau verübt.
Im selben Jahr, am 21.09., wird ein Asylbewerberheim in Dessau von Jugendlichen angegriffen. Sie sind mit Steinen, Baseballschlägern und Molotowcocktails bewaffnet.
Nur 7 Tage später dringen 5 Jugendliche, wieder mit Steinen, Schlägern und Molotowcocktails bewaffnet, in das selbe Wohnheim ein und rufen volksverhetztende Sprüche: „Ausländer raus“. (mehr…)

Den rassistischen Konsens brechen, Dessauer Verhältnisse angreifen!

Aufruf zur überregionalen Antira-Demo am 25.02. in Dessau

Eigentlich stellt sich die Situation in Dessau dar, wie sie in einer mittelgroßen, ostdeutschen Stadt zu erwarten ist:
Tief in der Bevölkerung verankerter Rassismus und Nationalismus, eine zwar kleine und intellektuell bemitleidenswerte, aber organisierte Neonaziszene mit fließendem Übergang zu rechtslastiger Jugendkultur, homophobem Mackergehabe, Stammtischnazis und einem rechtsdominierten Fußballverein, ein NPD-Stadtrat, überforderte Behörden, rassistische Polizeibeamte, einige gutwillige „Zivilgesellschafter“, viele „Extremismus“-Bekämpfer, ein paar Student_innen, ein „Ausländer“-Anteil von knapp 2 %, eine kommerzialisierte, „alternative“ Kulturszene und eine marginalisierte, radikale Linke.
So weit, so schlecht. Und zweifelsfrei genug Grund für eine Demo. (mehr…)

Nachbetrachtung der Besetzer

Nachbetrachtungen der Initiative „Aufklärung und Transparenz“ zur Besetzung des Rathauses Dessau am 07.02.2012

Am 07.02.2012 besetzten wir für mehrere Stunden das Rathaus von Dessau-Roßlau und entrollten Transparente mit den Aufschriften „Für Aufklärung und Transparenz“, „Gegen den Rassismus der Mitte“ sowie „Oury Jalloh – das war Mord“. Uns allen war klar, dass eine Besetzung des Rathauses ein drastischer Schritt ist und wir wohl alle mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssen. Nachdem die Übergriffe auf die Gedenkdemonstration im Januar allerdings medial nicht mehr thematisiert werden und weder Pressemitteilungen, Aufrufe, gutes Zureden oder Demonstrationen zu helfen scheinen, sahen wir keine andere Möglichkeit mehr als dieses Risiko einzugehen und eine öffentlichkeitswirksame Aktion zu machen. (mehr…)