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Es gibt nichts zu trauern: Danke den Allierten für die Zerschlagung Nazideutschlands

Immer dann wenn in Deutschland von Volk gesprochen, oder aufgrund irgendeines besonderen Datums zum kollektiven Trauern respektive Feiern eingeladen wird, kann emanzipatorischen Menschen geradezu Übel werden. Wenn aber, wie am Volkstrauertag, beides zusammenkommt, sollte man der nationalen Trauergemeinschaft am besten symbolisch auf die Kränze kotzen.
Am Volkstrauertag trifft sich die komplette deutsche Volks(trauer)gemeinschaft, von der Bundeswehr, Staatssekretären im Innenministerium über Neonazis bis zur Linkspartei um „die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ zu betrauern.

Völlig entkontextualisiert gilt dabei jeder als Opfer, der irgendwie während irgendeines Krieges oder irgendeiner Diktatur gestorben ist: ob in Stalingrad gefallener Wehrmachtssoldat, Vertriebener Sudetendeutscher, bei der Landung in der Normandie gestorbener Amerikaner, in Auschwitz vergaster Jude, im 1.Weltkrieg krepierter Soldat, im KZ ermordeter Widerstandskämpfer, bei der Bombardierung Dresdens ums Leben gekommener „Zivilist“ und neuerdings sogar Opfer der sozialistischen Diktatur.

Zu den Grundpfeilern deutscher Vergangenheitsbewältigung gehört es seit jeher die Deutschen zu willenlosen Opfern einer kleinen Nazielite zu verklären, für deren Taten die unschuldige deutsche Zivilbevölkerung, keinerlei Schuld trägt. Dabei wird geleugnet, dass es sehr wohl Unterschiede gibt, zwischen jenen „Zivilisten“, die mit Begeisterung oder aus Konformismus dafür gesorgt haben, dass die deutsche Barbarei reibungslos funktionieren konnte und jenen, die von dieser Barbarei betroffen waren.
Für uns gilt: Wer mit Freuden Synagogen anzündet, den Nachbarn bei der Gestapo verrät, oder einfach „nur“ seinem Alltag nachgeht und damit direkt oder indirekt am Funktionieren von Auschwitz und der deutschen Barbarei teil hat, kann für sich nicht in Anspruch nehmen, dass um ihn getrauert wird.
Einzelne Kriege, Kriegshandlungen oder Gewaltakte, können niemals aus ihrem Kontext gerissen oder gleichgesetzt werden und wer es dennoch tut, muss sich, wie die Teilnehmer des Volkstrauertages, den Vorwurf des Geschichtsrevisionismus gefallen lassen! Eine Handlung die zwar deutsche Täter tötet, damit aber das Ende der Judenvernichtung einzuläuten im Stande ist, kann von uns nicht betrauert, sondern nur bejubelt werden.

Wir könnten nun noch einige Sätze zu den Neonazis verlieren, die jedes Jahr am Weißenfelser Volkstrauertag teilnehmen. Wir könnten wie die letzten Jahre darauf verweisen das es Möglichkeiten gibt diese am Volkstrauertag vom Friedhof fernzuhalten oder uns, weil uns wieder niemand ernst nimmt, auf den Friedhof stellen und nach der Maxime „Nazis Raus“ agieren. Warum wir das nicht tun? Ganz einfach, weil sie bei dieser Veranstaltung genau dort sind, wo sie hingehören. Sie brauchen diese Veranstaltung nicht für ihre Zwecke missbrauchen, weil sie deren Inhalte von einigen Nuancen abgesehen durchaus teilen. Wer wirklich daran interessiert ist „Alles Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz sich nicht wiederhole, nichts ähnliches geschehe“, der befindet sich an einem solchen Tage ohnehin nicht in der nationalen Trauergemeinde auf dem Weißenfelser Friedhof. (Allenfalls um wie vorgeschlagen, den Anwesenden auf die Kränze zu erbrechen.) Wer dieses Anliegen mit uns teilt feiert eher den 8.Mai als Tag der Befreiung oder erinnert mit uns am 9.November der Judenverfolgung in der Reichspogromnacht, statt sein Selbstbewußstein mit schwenkenden Deutschlandfahnen und Wiedervereinigungsbier aufzupolieren.

„Hinter dem Ruf nach Frieden
verschanzen sich die Mörder“
Paul Spiegel