Anlässlich des Jahrestages der Bombardierung Dessaus durch alliierte Bomberverbände am 07. März 1945, veranstalteten Neonazis der Region Dessau zusätzlich zu ihrem Heul-Aufmarsch, wie jedes Jahr auch 2011 eine „Trauer“-Kundgebung an der Museumskreuzung in Dessau. Bereits seit einigen Jahren kam es vermehrt zu Protesten gegen diese Kundgebung. Den bisherigen Höhepunkt, bildete der diesjährige Versuch, den Kundgebungsplatz zu besetzen.
Von 17.30 – 19.00 Uhr war die diesjährige Neonazikundgebung angemeldet, doch bereits gegen 16.30 Uhr füllte sich der Platz an der Museumskreuzung zusehends. Schnell wurde den Beobachtern klar, dass es sich hierbei nicht um die üblichen Nazifratzen handelte, die dort jedes Jahr aufs Neue ihr Geheule ablassen und damit auf ihren eine Woche später stattfindenden Naziaufmarsch hinweisen wollen.
Durch Transparente und Schilder wurde der Anlass dieser bunt gemischten Menschen-Ansammlungschnell sichtbar gemacht. So waren Slogans wie „KEINE STIMME FÜR NAZIS – wähl NICHT NPD“, „DANK DEN ALLIIERTEN FÜR DIE ZERSCHLAGUNG NAZIDEUTSCHLANDS“ schon von weitem zu lesen. Auch die Aufforderung eines Schildes „HUPEN GEGEN RECHTS“ verfehlte ihr Ziel nicht, so dass sichviele vorbeifahrende Autofahrer lautstark solidarisierten.
Die Gruppe von anfänglich ca. 20 Antifaschist_innen wuchs schnell auf mind. 60 Personen ausAntifa, LINKER, Grünen, SPD, Gewerkschaften u.a. an, was auch die Polizei, die anfangs nur mit einem Sixpack vor Ort war, verstärkt auf den Plan rief. Vertreter verschiedener Parteien unter den Protestierenden, versuchten den Platz mit Spontananmeldungen rechtlich zu besetzen, was leider nur bedingt gelang.
Immerhin eine Kundgebung mit mobiler Lautsprecheranlage wurde zugelassen. Allerdings musstesie selbstredend beendet werden, bevor die „Kameraden“ beginnen wollten. Die Anwesenden machten nun aber keinerlei Anstalten, den Platz in Richtung der anderen Straßenseite zu verlassen. Vielmehr wurde es sich gemütlich gemacht, und die eigenen kleinen Anlagen kamen zum Vorschein. Dies ließ die Polizei nun auch merklich nervöser werden. So versuchte sie, Menschen, die zuvor vergeblich versuchten, an dieser Stelle eine Kundgebung anzumelden, zu Versammlungsleitern zu erklären und ihnen mit rechtlichen Konsequenzen zu drohen. Dies ließ die Betreffenden aber ebenso kalt wie die erste Durchsage der Polizei, diesen Platz nun zu verlassen. Vielmehr sorgte die Erklärung der Polizei, dass die versammelten Antifaschist_innen die öffentliche Ordnung und Sicherheit stören würden, für lautes Gelächter.
Die Straßen frei den „deutsche“ Narren
Nach einer weiteren halben Stunde war es dann mit der Geduld der Polizei vorbei. Sie begann, den Platz zu räumen und trug diejenigen, die sich vorsorglich zu einer Sitzblockade auf den Boden setzten, weg. Da sich die Weggetragenden nicht von den relativ wenigen Einsatzkräften beeindrucken ließen, entschieden sich die uniformierten Damen und Herren, schließlich zur altbewährten Methode der pöbelnden Polizeikette. Alle Gegendemonstranten wurden unter Beledigungen und ziemlich aggressiv vom Platz gezerrt und ohne Rücksicht auf den laufenden Verkehr auf die Strasse gedrängt. Alle? Nein: eine Gruppe von ca. 15-20 Menschen schaffte es, sich dennoch auf dem Platz zu verteilen und vor Ort auf die Nazis zu warten.
Der Fascho-Fasching kann beginnen.
Gegen 18.00 Uhr fanden sich dann schließlich die ersten Nazis auf dem Hinterhof des Platzesein und warteten dort brav auf das OK der Polizei. Gegen 18.15 Uhr konnten die Nazis dann endlich mit über einer Stunde Verspätung beginnen. Neben ihrem altbekannten Transparent und fünf schwarzen Fahnen, gab es von den ca. 20 Nazis nun noch eine spezielle Rosenmontagsvorstellung. Außer den mehrheitlich als Autonome oder Skinheads verkleideten Nazis, gab es nochdrei als Skelett kostümierte Faschos, die den Rest der Kundgebung auf Isomatten vor dem Transparent rumlungerten, so wie der Bitterfelder Per Meier, der als Mörder aus der Amerikanischen Hollywood-Filmreihe Scream verkleidet war und mit einer Sense „bewaffnet“ versuchte, die kaum vorhandenen Passanten zu verschrecken. Das eher an Halloween erinnernde Kostüm eines skrupellosen Mörders stand ihm dabei besonders gut, ist er doch wegen achtfachen versuchten Mordes verurteilt, weil er 2001 mit vier weiteren Neonazis das Wohn- und Geschäftshaus einer vietnamesischen Familie in Jeßnitz in Brand setzte.
Nach anfänglichen Wortgefechten zwischen der Polizei und dem Anmelder der Nazikundgebung, Alexander Weinert aus Dessau, waren das auch schon die Höhepunkte der ansonsten schweigenden, deutschen Faschingesellschaft. Allenfalls die immer wieder zur Kundgebung durchsickerndenAntifaschist_Innen boten etwas Abwechslung in die langweiligen Choreographie der Nazis. Gegen 19.30 Uhr war das Schauspiel dann auch schon wieder vorbei und die frustrierten „Trauernden“ zogen frierend von dannen.
Fazit: Die Vorzeichen stehen auf Blockade
Eine Woche vor dem anstehenden Aufmarsch in Dessau gab es erstmals einen Versuch, die warm-up-Kundgebung der Neonazis zu blockieren. Dies gelang angesichts der relativ spontanen und nur regionalen Mobilisierung recht gut. Die Nazikundgebung, die in den vergangen Jahren noch direkt an der Museumskreuzung stattfand, wurde in diesem Jahr nicht nur zeitlich sondern auch örtlich nach hinten verlegt, so dass sie noch weniger Aufmerksamkeit erregte als ohnehin schon. Für Samstag bedeutet das, dass wir nochmal eine Schippe drauf legen müssen und auch werden, um den Naziaufmarsch in Dessau zu verhindern. Nachdem es im letzten Jahr gleich mehrmals möglich war, den braunen Wanderkessel bis zu eine Stunde zu blockieren, sind dies gute Voraussetzungen den Aufmarsch in diesem Jahr zum Debakel zu machen.
http://de.indymedia.org/2011/03/302122.shtml








